2013-09-18
Die hohe Kunst der Beobachtung
Ohne Drehteam sondern ganz alleine auf sich und seine Kamera gestellt, ist der Regisseur Hans Haldimann Wochen für Wochen, Monat für Monat zur Bergbauernfamilie Kempf gereist, um sie bei ihrer täglichen Arbeit im Rhythmus der Jahreszeiten zu beobachten. Dabei entstanden ist ein Portrait jenseits aller Klischees, ohne Postkarten-Bergidylle und ohne Kühe mit Hörnern. Man sieht, was man auch im Dokumentarfilm kaum zu sehen bekommt: echte Menschen, nicht offensichtlich aussergewöhnlich und gerade darin einzigartig. Höhepunkte sind etwa, wenn der Grossvater zu erklären versucht, wie man als Bergbauer übers Jahr hinweg die Tiere und den eigenen Hausrat bergauf und bergab verschiebt und der schliesslich selber schmunzeln muss, ob der Kompliziertheit seiner Erklärungen oder die kleinen Kinder, die ganz selbstverständlich mit dem scharfen Messer der Mutter helfen beim Gemüse rüsten oder Stroh auf den Misthaufen werfen, von einem Absatz herunter, ohne Geländer. Diese Selbstverständlichkeit mit der hier ein längst nicht mehr selbstverständliches Leben geführt wird, konnte nur ein Regisseur einfangen, der sich selbst mit seiner Kamera ganz klein macht. Und das ist es, was diesen Film so gross macht. Einer der besten Dokumentarfilme, nicht nur der Schweiz.