Beschreibung

Erich Fromm wuchs bei orthodox lebenden jüdischen Eltern auf, wandte sich dann aber von seiner jüdischen Vaterreligion ab, um einer der bedeutendsten Humanisten des 20. Jahrhunderts zu werden. Als solcher beschäftigte er sich gegen Ende seines Lebens noch einmal mit dem Alten Testament, in dem sich ''der Genius eines Volks ausdrückt, das viele Generationen lang für Leben und Freiheit kämpfte''. Seine humanistische Interpretation des Alten Testaments verdeutlicht Fromms eigenes Religionsverständnis: Religion soll dem Menschen zu einer weitgehenden Unabhängigkeit von fremden Mächten verhelfen. Sie soll ihn sogar von jeder Gottesvorstellung befreien und ist deshalb in erster Linie Religionskritik. Zugleich bekennt sich Fromm zu einer humanistischen Religiosität, wie sie in bestimmten Richtungen der Mystik (etwa bei Meister Eckhart oder im Zen-Buddhismus) zutage tritt.
Erich Fromm, Psychoanalytiker, Sozialpsychologe und Autor zahlreicher aufsehenerregender Werke, wurde 1900 in Frankfurt am Main geboren. Der promovierte Soziologe und praktizierende Psychoanalytiker widmete sich zeitlebens der Frage, was Menschen ähnlich denken, fühlen und handeln lässt. Er verband soziologisches und psychologisches Denken. Anfang der Dreißiger Jahre war er mit seinen Theorien zum autoritären Charakter der wichtigste Ideengeber der sogenannten ''Frankfurter Schule'' um Max Horkheimer. 1934 emigrierte Fromm in die USA. Dort hatte er verschiedene Professuren inne und wurde 1941 mit seinem Buch ''Die Furcht vor der Freiheit'' weltbekannt. Von 1950 bis 1973 lebte und lehrte er in Mexiko, von wo aus er nicht nur das Buch ''Die Kunst des Liebens'' schrieb, sondern auch das Buch ''Wege aus einer kranken Gesellschaft''. Immer stärker nahm der humanistische Denker Fromm auf die Politik der Vereinigten Staaten Einfluss und engagierte sich in der Friedensbewegung. Die letzten sieben Jahre seines Lebens verbrachte er in Locarno in der Schweiz. Dort entstand das Buch ''Haben oder Sein''. In ihm resümierte Fromm seine Erkenntnisse über die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft. Am 18. März 1980 ist Fromm in Locarno gestorben.

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