Das jahrzehntelang erwartete Album zweier Legenden
Wenn man von Nas’ Werdegang erzählt, muss man auch DJ Premier erwähnen. In den 1990ern veredelte der hochgeschätzte Gang Starr-Producer den damals aufstrebenden MC aus Queensbridge mit drei Beats, die Nas’ bahnbrechendes Debüt „Illmatic“ (1994) ausmachten. Diese kreative Verbindung setzte sich später auf Alben wie „I Am…“ sowie dem triumphalen „Stillmatic“ fort und verankerte die beiden endgültig im Geschichtsbuch des Hip‑Hop. Dass nun mit „Light-Years“ ein komplett von Preemo produziertes Album erscheint – quasi zur Halbzeit von Nasirs unwahrscheinlichem Höhenflug in den 2020ern –, fühlt sich an wie die Vollendung eines Rap-Schicksals.
Natürlich sind diese Männer in den drei Jahrzehnten seit ihrer ersten Zusammenarbeit älter und reifer geworden. Nas’ Anspielungen auf Krypto-Portfolios und saudische Investments in „GiT Ready“ und „Welcome To The Underground“ liegen Welten entfernt von den Themen ihrer ersten Studio-Sessions. Gleichzeitig spiegeln sie ihn heute besser wider: als modernen Geschäftsmann, der zwischendurch immer wieder auf seine Wurzeln in den sozialen Wohnprojekten von Queensbridge verweist. Das soll nicht heissen, dass das Album nicht der Nostalgie frönt – gleich zu Beginn etwa mit einem gesellschaftspolitisch aufgeladenen dritten Teil ihrer „NY State Of Mind“-Reihe. An anderer Stelle beschwört Nas in „Writers“ den Geist der glorreichen Graffiti-Zeiten herauf und durchforstet seine eigenen Rap-Personas in der existenziellen Bestandsaufnahme „Nasty Esco Nasir“.
DJ Premier setzt die Messlatte ebenfalls hoch an. Seine typischen, von Scratches durchzogenen Produktionen pendeln zwischen oldschool und zeitlos, vom kühlen „Madman“ bis zum Groove mit Kassettenrauschen von „Pause Tapes“. Einige seiner kompromisslosen Sample-Cuts unterstreichen seinen Status als älteres Semester, wenn er etwa eine bahnbrechende Funkrock-Hook der Mittsiebziger für das eindringliche „It’s Time“ neu verwertet oder die fast vergessene Kunst des edlen Boom Bap im Finale „3rd Childhood“ neu aufleben lässt. Mit Premiers unerschöpflichen Plattenkisten und Nas’ endlosem Reimarsenal hebt sich „Light-Years“ klar als Highlight in den Katalogen beider Künstler ab.